Donnerstag 5.00 Uhr.Abreise gemeinsam mit Charles Webster. Wieder einmal standen uns lange Stunden im LKW bevor. Der erste lichtblick war das Frühstück beim Rosenberger in Linz. So gegen 15.00 Uhr waren wir in Schleiz. Bei der Anfahrt zum Fahrerlager fuhren wir über teile der Rennstrecke und ich hatte auf einmal ein ganz komisches Gerühl in mir. Einerseits war ich froh hier sein zu dürfen, aber auf der anderen Seite sah ich rund um die Strecke sehr viele Häuser, Bäume und Verkehrszeichen.
Zu meiner Überraschung waren wir die ersten Stocksportler im Fahrerlager. Also begannen wir mit dem Zeltaufbau. Als wir das alles geschafft hatten fuhr ich mit dem Motorrad einige Runden auf der Strecke. Aber man konnte das nur bedingt als training betrachten, denn die Strecke war noch nicht gesperrt und so mußte ich mich im ganz normalen Straßenverkehr bewegen. Es reichte jedoch um den streckenverlauf kennen zu lernen. Das größte Rätsel war für mich die Übersetzung meiner GSX-R. Ich hatte keine Vorstellung ob die Kurven im Wald im 6ten Gang voll zu fahren sind oder nicht


Zu meiner Überraschung präsentierte sich die Rennstrecke am Samstag in einem tadellosen Zustand. Der Veranstallter hat wirklich alles unternommen um die Srecke so sicher als möglich zu machen. Die ersten Runden war ich mit meinen Augen mehr neben der Strecke als auf der Strecke. Sehr schnell merkte ich das man in der IDM selbst hier in Schleiz 100% geben muß um im Training vorne zu sein. Es war für mich sehr schweer in nur 30min die Übersetzung zu bestimmen, das Fahrwerk abzustimmen und die 6,9km lange Strecke zu lernen. Mein Herz kämpfte gegen mein Hirn. Ich wollte in den schnellen Wald-passagen wirklich alles riskieren, aber mein Hirn gab den Befehl das Gas zuzudrehen und auf Nummer sicher zu gehen. Mit anderen Worten wie ich mit 250 km/h durch den Wald fuhr und die GSX-R von links nach rechts warf hatte ich ziemlich die Hosen voll. Ich brauche in dieser Saison noch einige gute Ergebnisse, deshalb wollte ich mich auf keinen fall hier in Schleiz verletzen. Das Ergebnis nach dem 1. Training war dann dementsprechend schlecht. Ich verlor auf die Bestzeit über 5sec.

Für den zweiten Versuch entschied ich mich für eine kürzere Übersetzung und eine härtere abstimmung von Federbein und Gabel. Es war ein deutlicher Schritt nach vorne. Ich konnte meine Bremspunkte genauer und später ansetzen ohne daß das Bike ein Eigenleben entwickelt. Genau diese Sicherheit hatte ich im Ersten Training nicht gespürt. Ich konnte meinen Rückstand auf 4sec. verkleinern. Irgendwie konnte ich mir aber nicht vorstellen noch viel schneller fahren zu können. Das war wieder einer der Momente an dem man alles was man tut in frage stellt. Nach einer Stunde der Verzweiflung und nach einem gutem Essen versuchte ich wieder ein bißchen logisches Denken in mich zu bringen. Es kann doch nicht sein das man in nur zwei Wochen das Fahren so verlernt hat das man hier so eine Niederlage einfährt. Also spielte ich mit Charles Webster alle möglichen varianten durch um mir noch mehr Vertrauen in das Bike zu geben. Nocheinmal änderte ich die Übersetzung und wurde um einen Zahn kürzer. Auch die Position der Fussraster wurde geändert.
Wie immer bin ich wie ausgewechselt wenn ich einmal über eine Niederlage geschlafen habe. Für das Warm up verwendete ich das erste mal in meiner Laufbahn als Rennfahrer neue Reifen. Das war eine reine Kopfentscheidung. Ich brauchte einfach das Gefühl mit neuen Reifen auf die Strecke zu gehen. Fahrerisch ging es mir sehr gut, ich suchte wieder die Zweikämpfe und versteckte mich nicht. Ich bremste die Gegner wieder aus und wurde nicht ausgebremst. Nach dem Warm up hatte ich nur mehr 3sec. Rückstand.
I
ch hatte für das Rennen ein sehr gutes Gefühl und war die Ruhe in Person. Als es dann auch noch zu Regnen begann war ich voll der Motivation im Rennen alles zu geben um das Erste Top 10 Ergebnis zu holen. Ich dachte nur mehr an den Start und die Ersten zwei Kurven. Auch die Ampelschaltung beim 250er Lauf habe ich mir angeschaut. Beim Start zum Supersport Rennen saß ich auf der Tribüne nach der Start Ziel Geraden. Die Stimmug unter den Zuchauern war trotz des Regens sehr gut. Als das Rennen Startete und alle ohne Probleme durch die Erste Schikane fuhren wollte ich schon gehen und mich auf mein Rennen vorbereiten als ich auf einmal die Roten Fahnen sah und das Rennen abgebrochen wurde. Ich konnte aber weit und breit nich´s von einem Sturz sehen. Als dann ein Streckenposten auf die Strecke ging und wie wild fluchte sah ich eine gewaltige Ölspur entlang der Ideallinie. Der Streckensprecher verkündete dann das der Audi TT der Übeltäter war und die ganze Strecke mit Öl besudelte. Auf den Tribünem machte sich lautes Gelächter breit. is eh klar n Audi, mit nen Trabi wär das nicht passiert der verbrennt das Öl. Ich fuhr mit dem Roller zurück ins Fahrerlager und mußte zu meiner enttäuschung feststellen das die ganze Veranstalltung abgesagt wurde. In mir war auf einmal eine Gewaltige leere. All die Konzentration, all die Taktik, die Freude über den Regen, alles war für die Katz. Ich wäre dieses Regenrennen so gerne gefahren.

Uns blieb also nichts anderes übrig alls die perfekt vorbereitete Suzuki wieder in den LKW zu laden. Beim Zeltabbau gab es dann auch noch eine Schrecksekunde alls Rudi die kontrolle über die Zeltstangen verlor und ich Ihm nur durch lautstarkes zurufen das Leben rettete.